Sie ist fast schon wieder vergessen: die Geschichte des extrem rechten Bundeswehrsoldaten Franco Albrecht, der sich im Jahr 2015 als vermeintlicher Geflüchteter aus Syrien hatte registrieren lassen und in Erding untergebracht wurde, der bei der Bundeswehr Munition stahl, illegale Waffen beschaffte und Attentatsziele akribisch ausrecherchierte. Und der im Juli 2022 vom Oberlandesgericht Frankfurt/Main – mittlerweile rechtskräftig – wegen Anschlagsvorbereitungen und Waffendelikten zu einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt wurde. Im Vortrag soll es neben der extrem rechten Ideologie Albrechts um seine Geschichte in Bayern gehen sowie um die neonazistischen Netzwerke, mit denen er in Verbindung stand: vom Münchner „Preußenabend“ und dem geheimdienstnahen „Jagsthausener Kreis“, über „Uniter“ und „Nordkreuz“ bis zum (öffentlich bisher kaum thematisierten) „Chat Süd“.
Unser Medium des Monats Oktober ist das Buch „Die Reise ins Reich. Unter Rechtsextremisten, Reichsbürgern und anderen Verschwörungstheoretikern“ von Tobias Ginsburg. Acht Monate lang schleuste sich Ginsburg undercover in die Szene der Reichsbürger:innen und rechtsesoterischen Verschwörungstheoretiker:innen ein. Er baute sich eine Scheinidentität im Netz auf und bewegte sich unter AfD-Politiker:innen, gewaltbereiten Neonazis, braunen friedensbewegten Esoteriker:innen, Sektierer:innen und Systemumstürzler:innen. 2018 veröffentlichte er seine Rechercheergebnisse unterfüttert mit historischen Einordnungen und politischer Analyse als Buch, welches im Juni desselben Jahres Platz fünf der Sachbuch-Bestenliste erreichte Unter dem Eindruck der Pandemieleugner:innen-Szene erschien das Buch 2021 in einer stark erweiterten Neuausgabe unter dem Titel „Die Reise ins Reich. Unter Rechtsextremisten, Reichsbürgern und anderen Verschwörungstheoretikern“ im Rowohlt Verlag. In der Bibliothek_A haben wir die 2. Auflage aus dem Dezember 2022. Am 13.10.2023 kommt der Schriftsteller, Theaterregisseur und Journalist übrigens nach Bad Aibling und liest aus seinem Werk .
Die Region Rosenheim ist zwar kein Thema in dem Buch von Ginsburg, aber die Strukturen, Rädelsführer:innen und Vordenker:innen, welche Ginsburg trifft, wirken auch hier in Oberbayern – genauso wie der ideologische Kern der Bewegung. Der Autor macht mit dem Buch klar, dass zu dem Weltbild nicht nur die Ablehnung der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Staatsorgane gehört, sondern auch Antisemitismus, faschistischer Verschwörungswahn und die Verachtung der Demokratie. Und manche der beschriebenen Szenen sind auch räumlich ganz nah, z.B. wenn der Autor die Auftritte von Jürgen Elsässer (S. 207ff.) oder dem AfD Politiker Peter Boehringer (S.211 f.) in Garmisch-Partenkirchen beschreibt.
Das Buch könnt ihr in der Bibliothek_A ausleihen, aber seit Juni diesen Jahres auch kostengünstig bei der Bundeszentrale für politische Bildung beziehen. Wer den Autor persönlich erleben will, sollte am 13.10.2023 um 19:30 Uhr in das BRK Jugendzentrum nach Bad Aibling kommen (Eintritt: 15 €). Da die Teilnehmer:innenzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldungen unter 0179-7325938 (Mailbox) oder info@muttutgut.org erforderlich.
Die Anastasia Austellung im Z-Linkes Zentrum in Selbstverwaltung wird verlängert! An allen Dienstagen im September könnt ihr von 15:00 bis 19:00 Uhr die Austellung im Z ( Innstr. 45a, 83022 Rosenheim) besichtigen. Auf fünf Plakaten wird die „Anastasia“-Buchreihe kritisch analysiert und ein Überblick über die Anastasia-Bewegung in Deutschland gegeben. Über QR-Codes ist es möglich, zusätzliches Material wie Videos oder Literatur einzusehen.
Was verbirgt sich hinter der Anastasia-Bewegung und wo hat sie ihren Ursprung? Basierend auf der Anastasia-Buchreihe des Autors Wladimir Megre kam die Bewegung von Russland nach Deutschland. In der Öffentlichkeit präsentiert sich die Anastasia-Bewegung als eine esoterische, naturverbundene und selbstversorgende Ökogemeinschaft. Doch in der Romanreihe, auf die sich die Bewegung bezieht, sind rassistische, antisemitische und verschwörungstheoretische Inhalte zu finden. Darüber hinaus bestehen in Deutschland Verbindungen zur rechten Szene sowie zur Reichsbürgerszene, so dass die Bewegung dem rechtsesoterischen Spektrum zuzuordnen ist.
In der Ausstellung wird nach der Einleitung auf einer Tafel die Anastasia-Buchreihe und der Autor vorgestellt und dann werden die Buchinhalte kritisch analysiert. Ein weiteres Plakat gibt einen Überblick über die Anastasia-Bewegung in Deutschland und deren Projekte. Auf der Tafel „Die Schetinin-Schule“ werden sowohl das Konzept, das Netzwerk (u.a. Ricardo Leppe, ISKA Akademie) wie auch die darauf basierenden Schulgründungsversuche thematisiert. Diese Station ist besonders für die Region Rosenheim interessant, da das dargestellte Konzept auch für die behördlich geschlossene Querdenkerschule bei Schechen zentral war. Der Abschluss der Ausstellung ist ein Fazit aus pädagogischer Perspektive. Darin heißt es: Eine „(…)kritische Auseinandersetzung mit dem in der Ausstellung dargelegten Thema ist notwendig, um die Hintergründe erfassen und einordnen zu können. Dies ist auch bezüglich der Entwicklungen von neuen Schulkonzepten erforderlich, um Gründungen, die auf höchst problematischen Ideologien aufbauen, entgegenzutreten und sie gar zu vermeiden“.
Die Ausstellung wurde 2022 von Studierenden der Hochschule Esslingen im Rahmen des Projektes „Esoterik und Soziale Arbeit“ von Prof. Claudia Barth1 erarbeitet. Die Landeskoordinierungsstelle Demokratie leben! Bayern gegen Rechtsextremismus2 und die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern haben die Ausstellung drucken lassen und stellen sie der Zivilgesellschaft zur Verfügung. Die lokale Ausstellungsorganisation in Rosenheim wurde von der Bibliothek_A umgesetzt. Die Öffnungszeiten sind jeweils Dienstags von 15:00 bis 19:00 Uhr und bei Veranstaltungen im Z – linkes Zentrum in Selbstverwaltung. Der Eintritt ist frei.
Historiker referiert am Donnerstag (22.06.2023) in Rosenheim über die Station vor hundert Jahren
„Die Arbeiterbewegung in der Ordnungszelle Bayern“ ist der Titel eines Vortrags, den Dr. Sebastian Zehetmair am kommenden Donnerstag (22.06.2023) in Rosenheim hält. Der in Berlin lebende Historiker hatte jahrelang zur „‚Ordnungszelle Bayern‘ 1919 bis 1923“ geforscht. Im linken Zentrum in der Rosenheimer Innstraße 45a präsentiert er nun seine Ergebnisse.
Nach der Niederschlagung der Revolution von 1918/19 wurde Bayern von seiner Landesregierung zur antisozialistischen „Ordnungszelle“ des Reiches umgebaut. Zehetmair wird in seinem Vortrag den politischen Sonderweg Bayerns in der Weimarer Republik beleuchten, welcher die Arbeiter:innenbewegung mit besonderen Problemen konfrontierte und die Formen ihres Aktivismus prägte. Die politische Rechte nutzte das Land als Operationsbasis für ihre Subversion gegen die Republik. Auch der Nationalsozialismus bekämpfte die Organisationen der Arbeiterbewegung hier schon wesentlich früher als in anderen Teilen des Reiches. Das Regime der »Ordnungszelle« Bayern schränkte zugleich die Handlungsspielräume der Arbeiterparteien mit Hilfe von rigiden Ausnahmegesetzen erheblich ein. Dieser Sonderweg führte Bayern im Sommer und Herbst 1923 an den Rand eines Bürgerkriegs.
In dem 2022 im Droste Verlag erschienenen Buch „Im Hinterland der Gegenrevolution“ zeichnet der Autor die Geschichte der bayerischen KPD von ihren Ursprüngen in der Revolution 1918/19 bis zum Hitler-Ludendorff-Putsch und dem gescheiterten Aufstand der KPD im Spätherbst 1923 nach. Er untersucht die Politik der KPD sowohl im Kontext der in Bayern herrschenden Verhältnisse als auch in ihren Beziehungen zu den anderen Parteiorganisationen im Reich. In dem Vortrag in Rosenheim wird der Historiker schwerpunktmäßig die politische Situation in Bayern thematisieren, welche dazu führte, dass 1923 extreme Rechte das Gewerkschaftshaus in Rosenheim stürmten und den Sozialdemokraten Georg Ott ermordeten.
Die Buchvorstellung wird von der Bibliothek_A in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt und dem Kurt-Eisner-Verein / Rosa Luxemburg Stiftung Bayern im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Antifaschismus bleibt notwendig“ organisiert. Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es im Internet unter: https://antifaschismusbleibtnotwendig.rosenheim.social/
Eine Ausstellung zu der rechtsesoterischen Anastasia-Bewegung ist noch bis Ende Juli im linken Zentrum (Innstr. 45a, 83022 Rosenheim) zu sehen. Auf fünf Plakaten wird die „Anastasia“-Buchreihe kritisch analysiert und ein Überblick über die Anastasia-Bewegung in Deutschland gegeben. Über QR-Codes ist es möglich, zusätzliches Material wie Videos oder Literatur einzusehen.
Was verbirgt sich hinter der Anastasia-Bewegung und wo hat sie ihren Ursprung? Basierend auf der Anastasia-Buchreihe des Autors Wladimir Megre kam die Bewegung von Russland nach Deutschland. In der Öffentlichkeit präsentiert sich die Anastasia-Bewegung als eine esoterische, naturverbundene und selbstversorgende Ökogemeinschaft. Doch in der Romanreihe, auf die sich die Bewegung bezieht, sind rassistische, antisemitische und verschwörungstheoretische Inhalte zu finden. Darüber hinaus bestehen in Deutschland Verbindungen zur rechten Szene sowie zur Reichsbürgerszene, so dass die Bewegung dem rechtsesoterischen Spektrum zuzuordnen ist.
In der Ausstellung wird nach der Einleitung auf einer Tafel die Anastasia-Buchreihe und der Autor vorgestellt und dann werden die Buchinhalte kritisch analysiert. Ein weiteres Plakat gibt einen Überblick über die Anastasia-Bewegung in Deutschland und deren Projekte. Auf der Tafel „Die Schetinin-Schule“ werden sowohl das Konzept, das Netzwerk (u.a. Ricardo Leppe, ISKA Akademie) wie auch die darauf basierenden Schulgründungsversuche thematisiert. Diese Station ist besonders für die Region Rosenheim interessant, da das dargestellte Konzept auch für die behördlich geschlossene Querdenkerschule bei Schechen zentral war. Der Abschluss der Ausstellung ist ein Fazit aus pädagogischer Perspektive. Darin heißt es: Eine „(…)kritische Auseinandersetzung mit dem in der Ausstellung dargelegten Thema ist notwendig, um die Hintergründe erfassen und einordnen zu können. Dies ist auch bezüglich der Entwicklungen von neuen Schulkonzepten erforderlich, um Gründungen, die auf höchst problematischen Ideologien aufbauen, entgegenzutreten und sie gar zu vermeiden“.
Die Ausstellung wurde 2022 von Studierenden der Hochschule Esslingen im Rahmen des Projektes „Esoterik und Soziale Arbeit“ von Prof. Claudia Barth1 erarbeitet. Die Landeskoordinierungsstelle Demokratie leben! Bayern gegen Rechtsextremismus2 und die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern haben die Ausstellung drucken lassen und stellen sie der Zivilgesellschaft zur Verfügung. Die lokale Ausstellungsorganisation in Rosenheim wurde von der Bibliothek_A im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Antifaschismus bleibt notwendig“ umgesetzt. Die Öffnungszeiten sind jeweils Dienstags von 18:00 bis 19:30 Uhr und bei Veranstaltungen im Z – linkes Zentrum in Selbstverwaltung. Der Eintritt ist frei.
Die nächsten geplanten Veranstaltungen sind:
Do, 22.06. | 19:30 Uhr | Vortrag: Im Hinterland der Gegenrevolution: Die Arbeiterbewegung in der Ordnungszelle Bayern, Referent Dr. Sebastian Zehetmair, organisiert von der Geschichtswerkstatt Rosenheim
Di, 27.06. | 19:30 Uhr | Vortrag: Die AfD und die soziale Frage, Referent: Stephan Lindner, organisiert von attac Rosenheim
So, 02.07 | 19:00 Uhr | Film: Das Leben des Carlos Fernando, organisiert von OAPR
Di, 11.07. | 19:00 Uhr | Vortrag: Die Rosenheimer Ortsgruppe der KPD 1919–1933, Referent: Andreas Salomon, organisiert von: Initiative Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim
Mi, 12.07. | 19:00 Uhr | Vortrag: Biografien Rosenheimer Kommunisten, die in das KZ Dachau eingeliefert wurden, Referent: Andreas Salomon, organisiert von: Initiative Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim
Unser Medium des Monats im Juni ist eine Doktorarbeit: Das 2022 im Droste Verlag erschienene 505 Seiten dicke Buch „Im Hinterland der Gegenrevolution. Die kommunistische Bewegung in der ‚Ordnungszelle Bayern‘ 1919 bis 1923“ basiert nämlich auf der 2018 verteidigten Dissertation des Historikers Sebastian Zehetmair. Dieser kommt am Donnerstag, den 22.06.2023 nach Rosenheim und stellt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Antifaschismus bleibt notwendig“ seine Forschung vor.
Der Autor zeichnet in dem Buch die Geschichte der bayerischen KPD von ihren Ursprüngen 1 in2 und nach3 der Revolution 1918/19 bis in den Spätherbst 1923 nach. Er untersucht „Die Anfänge der Einheitsfront und Arbeiterbewegung in Bayern 1921 und1922“4 und widmet der „Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“ ein eigenes Kapitel5. Schwerpunkt im sechsten und letzten Kapitel ist dann der Krisenherbst 1923. Zehetmair betrachtet die Politik der KPD sowohl im Kontext der in Bayern herrschenden Verhältnisse als auch in ihren Beziehungen zu den anderen Parteiorganisationen im Reich.
Hauptgegenstand der detailreichen Untersuchungen von Zehetmair ist die kommunistische Bewegung in Bayern von 1919 bis 1923. Da die Arbeit von einer „relativen ideologischen Heterogenität“ (S. 33, im Gegensatz zu einer ideologiezentrierten Form) der Bewegung ausgeht und kontinuierlich auch die gewerkschaftliche und sozialdemokratische Bewegung (USPD & MSPD) im Blick hat, leistet sie auch einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der bayerischen Arbeiter:innenbewegung. Gerade im Hinblick auf einen Stadt-Land-Unterschied („punktuelle Industrialisierung“) zeigen sich hier einige Besonderheiten. Auch aus lokalgeschichtlicher Perspektive finden sich in der Veröffentlichung interessante Fakten (z.B. der Antifaschisten Tag 1923 in Rosenheim6).
Nicht zuletzt ist die historische Perspektive auch für die heutige Auseinandersetzung mit der extremen Rechten in mehrerlei Hinsicht gewinnbringend. Die Darstellung der Zerstrittenheit der historischen Arbeiter:innenbewegung nämlich zeigt Fehler auf, die, wenn man einen Rechtsrutsch verhindern will, nicht noch einmal gemacht werden dürfen. Die fatale Gleichsetzung von „Kommunisten und Faszisten“ stütze nicht die Demokratie, sondern schwächte die Gegner der Faschisten. Manche aktuelle Distanzierung würde evtl. ausbleiben, hätte man die Studie gelesen und würde entsprechende Schlüsse ziehen. Aus diesem Grund ist das Buch nicht nur historisch Interessierten, sondern allen heute im Kampf gegen rechts Aktiven, zu empfehlen. Wer sich das Buch nicht leisten kann (68 €), kann es gerne auch in der Bibliothek_A lesen. Aktuell findet ihr es auf dem Buch des Monats Ständer, ab Juli kann es dann ausgeliehen werden.
Nach der Niederschlagung der Revolution von 1918/19 wurde Bayern von seiner Landesregierung zur antisozialistischen „Ordnungszelle“ des Reiches umgebaut. Der Autor und Historiker beleuchtet den politischen Sonderweg Bayerns in der Weimarer Republik, der die Arbeiter:innenbewegung mit besonderen Problemen konfrontierte und die Formen ihres Aktivismus prägte. Dieser Sonderweg führte Bayern im Sommer und Herbst 1923 an den Rand eines Bürgerkriegs.
Eine Veranstaltung der Bibliothek_A in Kooperation mit dem Kurt-Eisner-Verein / Rosa Luxemburg Stiftung Bayern im Rahmen der Veranstaltungsreihe Antifaschismus bleibt notwendig → https://antifaschismusbleibtnotwendig.rosenheim.social/
Für alle Veranstaltung gilt die Ausschlussklausel §6 Versammlungsgesetz: Laut §6 Versammlungsgesetz sind Rechte, Neonazis, deren SympathisantInnen sowie Personen, die in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische, sexistische oder nationalistische Äußerungen aufgefallen sind, von der Veranstaltung ausgeschlossen.
In Gedenken an Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov und in Solidarität mit den Überlebenden und Hinterbliebenen des rechten Terroranschlags 2020 gibt es am 11.2.2023, kurz vor dem dritten Jahrestag, in Hanau und im Livestream eine vom Kulturforum Hanau organisierte Soli-Lesung
Mit dabei: Anna Yeliz Schentke, Asal Dardan, Deniz Utlu, Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah, Karosh Taha, Lena Gorelik, Sasha Salzmann, Shida Bazyar, Simone Dede Ayivi und Tayfun Guttstadt.
„Auch drei Jahre nach dem rechtsextremen Anschlag fordern die Betroffenen Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen. Denn die lückenlose Aufklärung muss noch immer von den Betroffenen und ihren Unterstützer_innen geleistet und durchgesetzt werden. Dafür benötigt die Initiative 19. Februar Hanau finanzielle Hilfe. Denn nur so können die Angehörigen die bestmögliche juristische und forensische Unterstützung erhalten“.
Helene, Mutter von drei Kindern, steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand. Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit.
Helenes beste Freundin Sarah, die Helene ihrer Familie wegen zugleich beneidet und bemitleidet hat, wird in den Strudel der Trauer und des Chaos gezogen. Lola, die älteste Tochter von Helene, sucht nach einer Möglichkeit, mit ihren Emotionen fertigzuwerden, und konzentriert sich auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut.
Drei Frauen: Die eine entzieht sich dem, was das Leben einer Mutter zumutet. Die anderen beiden, die Tochter und die beste Freundin, müssen Wege finden, diese Lücke zu schließen. Ihre Schicksale verweben sich in diesem bewegenden und kämpferischen Roman darüber, was es heißt, in unserer Gesellschaft Frau zu sein.
Die Ausstellung gibt auf 25 Tafeln einen Überblick über neuesten neofaschistischen Entwicklungen (Von AfD bis Querdenker:innen) in Deutschland. Bereits 1985 hat der VVN-BdA die erste Version der Ausstellung „Neofaschismus in der Bundesrepublik Deutschland“ öffentlich vorgestellt. Im Rosenheim ist die 2021 überarbeitete und aktualisierte 7. Version zu sehen. Die Ausstellung will den Blick auf die rechte Bewegung als Ganzes richten und die Rolle der AfD darin deutlich machen. So heißt es im Geleitwort zur Ausstellung:
„Dies ist besonders deshalb von großer Bedeutung, weil die AfD noch immer versucht, sich als „bürgerliche“ Partei darzustellen und darin – wie in Thüringen besonders deutlich wurde – auch aus Teilen der CDU und der FDP unterstützt wird. Dass das möglich ist, zeigt, wie sehr die „rote Linie“ gegen offen (neo-)faschistische Kräfte, die Jahrzehnte lang trotz des stets gepflegten Antikommunismus als „Konsens der Demokraten“ galt, gefährdet ist. Dass durchaus militant agierende Straßen-Bewegungen wie „PEGIDA“ und „Querdenken“ zunächst als „besorgte Bürger:innen“ wahrgenommen wurden und die insbesondere bei „Querdenken“ kaum zu übersehende antisemitische Konnotation auch ehemals den Grünen Nahestehende nicht vom Mitmachen abhält, macht dies ganz deutlich.“ (S.5)
Die Broschüre gibt die Inhalte der Ausstellung wieder. Nach einer Einleitung und einem Rückblick ist ein Schwerpunkt der Ausstellung die Ideologie der neofaschistischen Szene. Auf neun Tafeln werden Demokratiefeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, genauso thematisiert wie die Themenfelder Soziale Demagogie, Geschlechterbilder und Ökologie. Auch der Gewaltaffinität und dem Geschichtsrevanchismus der neofaschistischen Szene werden eigene Tafeln gewidmet.
In einem zweiten Teil geht es um die Struktur der vordergründig zersplittert wirkenden Szene. Die Ausstellung und der Katalog zeigen in einem dritten Teil (Zusammenhänge und Hintergründe) auf sechs Tafeln wie diese Organisationen und Strömungen untereinander verflochten sind und geben schlaglichtartige Einblicke in deren Propaganda und Finanzierung.
Laut dem Vorwort wünscht sich der VVN:
„…, dass die Ausstellung dazu beiträgt, unserem Ziel und dem Ziel der breiten antifaschistischen Bewegung in Deutschland ein Stück näher zu kommen: die AfD aus den Parlamenten zu vertreiben und ihr und der ganzen Bewegung damit die wichtigste Bühne für ihre Hetze, die Einnahmen aus Steuergeldern, mit denen sie hunderte Stellen für Nazis aller Art finanziert, und die Legitimität, die sie daraus ableitet, zu nehmen (S.5)“.
Das sind große Ziele – was die Ausstellung aber sicher leistet ist einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für die Gefahren der extremen Rechten zu liefern. Die Ausstellung ist von 27.1. bis 5.2. in der Kegelbahn (nicht barrierefrei) der ehem. Brezn, dem jetzigen Kulturzentrum „Affekt“ (Wittelsbacher Str. 37, Rosenheim) zu sehen. Dort wird auch am 27.1./29.1/4.2/5.2.2023 das thematisch passende Theaterstück „Medea“ aufgeführt (Ausstellungsöffnung 19:00 Uhr – Theater 20:00 Uhr). Darüber hinaus ist die Ausstellung am 30.1, 1.2. und 3.2. 2023 von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr (u.a. für Schulklassen) geöffnet. Die Inhalte der Ausstellung sind auch online https://vvn-bda.de/neofaschismus-in-deutschland/) oder in unserem Medium des Monats, dem Begleitkatalog zur Ausstellung “Neofaschismus in Deutschland” nachzulesen. Die Broschüre kann in der Bibliothek_A eingesehen oder im VVN Shop bestellt (https://shop.vvn-bda.de/produkt-kategorie/material/ausstellungen_kataloge/) werden.